Heuen für die Blumen

11.06.2024

Zechenpark

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das ehemalige Zechengelände zu einem Hotspot für die Artenvielfalt. Bereits bei der Anlage der Wiesen wurde auf regionales, genetisches Saatgut geachtet, um heimische Wildblumen zu fördern. Um den Artenreichtum des Lebensraumes Wiese zu erhalten, muss die Wiese ein- bis dreimal pro Jahr gemäht werden.

Aktuell kann man das Heuen der Wiesen im Zechenpark beobachten. Trockene und beständige Wetterlagen über mehrere Tage sind ideal. Für eine erfolgreiche Mahd ist ein bestimmter Ablauf notwendig: Am ersten Tag wird die Wiese gemäht, an den darauffolgenden Tagen muss die Biomasse unter hoffentlich bester Sonneneinstrahlung trocknen.  Die so getrockneten Wiesenpflanzen wie Gräser und Kräuter bezeichnet man dann als Heu. Dabei können die reifen Blumensamen ausfallen und der Blumenanteil bleibt stabil. Ein großer Teil des Heus findet wie in den letzten Jahren als Viehfutter Verwendung durch den Einsatz und das Engagement der Heuprojektgemeinschaft um Norbert Büsch.

Das städtische Grünflächenamt koordiniert die verschiedenen Akteure für die klassische Heuwiesenmahd wie vor 100 Jahren, aber nicht mit der Sense sondern mit modernster Technik. „Die herkömmliche Grünflächenpflege hat sich vorbildlich im Zechenpark zur naturnahen Grünflächenpflege gewandelt, die mit einer wertvollen Artenvielfalt belohnt wird“, erklärt Kirsten Holsteg vom Grünflächenamt der Stadt Kamp-Lintfort.

Schonende Mahd für Insekten und Co.

In diesem Jahr wird erstmals ein Balkenmäher eingesetzt, um auch insektenschonend zu mähen. Der Balkenmäher verschont die Insekten dadurch bei der Mahd, weil er wie eine Heckenschere über den Boden gleitet. Es wird abschnittsweise gemäht, sodass immer genügend Wiesen-Strukturen stehen bleiben, in die sich die Tiere und Insekten flüchten und zurückziehen können.

„Man muss sich das so vorstellen, dass durch herkömmliche, rotierende Mähgeräte beispielsweise bis zu 90 % der Heuschrecken ums Leben kamen. Der Lebensraum Wiese wird wortwörtlich mit dem Mähen dem Erdboden gleichgemacht. Unzählige Bewohner verlieren abrupt existentiell wichtige Strukturen“, so Holsteg.

Doch ohne Mahd geht es nicht. Statt der Blumen würden dann schnell die Gräser dominieren und langfristig entwickelt sich die Wiese sukzessiv in einen Wald. Dieser ist zwar auch ein wertvoller Lebensraum, aber eben nicht für Arten der offenen, also gehölzfreien Kultur-Landschaftsräume. Einer der Wiesenbewohner ist das Große Heupferd mit einer Länge von 2,5 – 4 cm. Naturfreunde können ab Juli vornehmlich abends und nachts die Heupferde akustisch wahrnehmen. Wenn sie ihre Flügel streichen, ist das Zirpen bis zu 50 m weit zu hören. Auch eine Hasensippe ist im Park Zuhause sowie der häufig zu beobachtende Stieglitz, der die Fruchtstände der Wiesenblumen als Nahrung nutzt. Er ist der Vegetarier unter den Vögeln.

Biodiversität in der Kamp-Lintforter Stadtmitte

Mit dem Zechenpark ist Natur und Biodiversität in der Stadtmitte angekommen. Es grünt und blüht auf dem weitläufigen Gelände nicht nur in den Wiesen, sondern auch in den Ökoschotterflächen mit reichhaltiger Industrienatur, in den Blühflächen mit Sommerblumenansaaten sowie in den großzügigen naturnahen Staudenpflanzungen am Quartiersplatz. Alle Pflanzen sind auch klimawandeltolerant, denn die Trockenheit begünstigt das Wachsen der Wildblumen. Die Pflanzenauswahl sowie die Zufallsgemeinschaften orientieren sich an der Lebensgemeinschaft des Halbtrockenrasens, der mit nur wenigen Niederschlägen im Sommer auskommt.

Im Juni findet mittwochs am 19.6. und 26.6.2024 von 17 bis 18.30 Uhr eine Exkursion im Zechenpark zur Pflanzenvielfalt statt.

Treffpunkt: Förderturm Quartiersplatz

Anmeldung: tourismus@kamp-lintfort.de, 02842-912452


Info

Biodiversität und Artenvielfalt:

Biodiversität umfasst drei Ebenen:

§  Genetische Vielfalt: Unterschiede innerhalb einer Art auf genetischer Ebene.

§  Artenvielfalt: Die Anzahl und Vielfalt der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten.

§  Ökosystem: Die Vielfalt des Lebensraumes, in denen Arten existieren.